Markus Holle und Nico Hildmann im Gespräch im Startbahn27 Podcaststudio.

Markus Holle im Startbahn27 Podcast: Die Wachstumslücke

Die Wachstumslücke: Warum gute Ideen zu selten groß werden

 

Gute Ideen und erste Gründungsunterstützung reichen noch nicht aus, um ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen. Gerade nach der frühen Gründungsphase entsteht für viele Startups eine entscheidende Lücke: Beim Markteintritt, bei der Skalierung, beim Zugang zu Pilotkunden und beim Aufbau tragfähiger Strukturen fehlt häufig die passende Begleitung. Diese Wachstumslücke bei Startups – auch Mid-Stage-Gap genannt – steht im Mittelpunkt der ersten Folge unserer fünften Podcaststaffel „Wachstum wagen“. Nico Hildmann spricht mit Markus Holle, Amtsleiter Wirtschaftsförderung der Stadt Schweinfurt, über die Situation in der Region, die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie zu den Founder Barracks und die Frage, was nun konkret passieren muss.

 

Gute Unterstützung am Anfang – aber was kommt danach?

Die Machbarkeitsstudie bestätigt zunächst eine Stärke des regionalen Gründungsökosystems: In der Ideen- und frühen Gründungsphase ist Schweinfurt bereits gut aufgestellt. Mit der THWS, dem Werk:Raum, dem GRIBS Gründerzentrum, Startbahn27 und dem FLIGHT Accelerator gibt es verschiedene Anlaufstellen und Programme. Die entscheidende Herausforderung beginnt danach. Sobald aus einer Idee ein wachsendes Unternehmen werden soll, verändern sich die Anforderungen. Startups benötigen erste Kunden, belastbare Markterfahrungen, Finanzierung, geeignete Teamstrukturen und Unterstützung bei der Skalierung. Genau diese Phase wird in Schweinfurt bisher nicht ausreichend begleitet. Laut Markus Holle kann das auch dazu führen, dass Startups in andere Regionen wechseln, weil sie dort bessere Wachstumsmöglichkeiten und Unterstützungsstrukturen vorfinden.

 

Warum die Wachstumslücke mehr als ein Startup-Problem ist

Wenn ein Startup nach der frühen Phase abwandert oder nicht weiterkommt, geht es nicht nur um den Erfolg eines einzelnen Teams. Der Region entgehen potenzielle Unternehmen, Arbeitsplätze, Innovationen und neue Wertschöpfung. Für Schweinfurt ist dieses Thema besonders relevant. Die Stadt ist industriell geprägt und befindet sich in einer wirtschaftlich angespannten Situation. Gleichzeitig gibt es an der Hochschule technologische Kompetenzen, eine aktive Gründungsszene und ein enges regionales Netzwerk. Entscheidend ist daher nicht allein, ob gute Ideen entstehen. Die wichtigere Frage lautet: Schafft die Region die Bedingungen, damit aus diesen Ideen dauerhaft Unternehmen werden?

 

Founder Barracks: Ein Gebäude allein schließt keine Lücke

Ein sichtbarer Baustein der geplanten Entwicklung sind die Founder Barracks im Gebäude 206 auf dem Gelände der Ledward Barracks. Dort soll ein offener Ort für Gründung, Wachstum, Hochschule, Forschung und etablierte Unternehmen entstehen. Die Vorgeschichte reicht bereits mehrere Jahre zurück. Eine erste Analyse gab es 2022. Einen neuen Ausgangspunkt bildete laut Podcast das Ende 2024 angekündigte 60-Millionen-Hilfspaket für Schweinfurt. Davon sind fünf Millionen für das Thema Gründungen vorgesehen. Bevor das Gebäude genutzt werden kann, sind jedoch Umbauarbeiten notwendig. Markus Holle macht deshalb deutlich: „Das Thema Mid-Stage-Lücke hängt ja nicht an den Founder Barracks.“ Die Zeit bis zu einem möglichen Umbau soll nicht ungenutzt verstreichen. Unterstützung bei Markteintritt und Skalierung kann unabhängig vom Gebäude aufgebaut werden. Gleichzeitig formuliert Holle eine klare Erwartung an die weitere Entwicklung: „Es darf nicht wieder nur ein Konzept für die Schublade werden.“ Die Founder Barracks können Austausch erleichtern und Akteure räumlich zusammenbringen. Wirkung entsteht aber erst, wenn dort echte Zusammenarbeit, konkrete Zuständigkeiten und zugängliche Angebote entstehen. Ein Gebäude mit vielen Organisationen hinter geschlossenen Türen würde die Wachstumslücke nicht schließen.

 

Netzwerkmanagement als erster konkreter Schritt

Ein erster Ansatz ist ein geplanter Netzwerkmanager, der Startups gezielt in der Mid-Stage begleiten soll. Im Mittelpunkt stehen Wachstum, Skalierung und die Verbindung zu passenden Partnern. Der Netzwerkmanager soll nicht ausschließlich Teams aus dem FLIGHT Accelerator betreuen. Auch andere Startups und Gründungsvorhaben sollen grundsätzlich Zugang erhalten. Im besten Fall könnte die Stelle Anfang 2027 starten. Markus Holle weist jedoch darauf hin, dass dafür eine erfahrene und geeignete Person gefunden werden muss. Parallel plant Startbahn27 mit TRANSIT bereits einen ersten Piloten. Ein ausgewähltes FLIGHT-Team soll über sechs Monate – von September bis Februar – intensiver begleitet werden. Dabei geht es unter anderem um die Finalisierung der Gründung, den Markteintritt und die Investor Readiness. Der Pilot soll zeigen, welche Unterstützung tatsächlich wirkt und welche Ressourcen für eine dauerhafte Begleitung notwendig sind.

 

Warum Mittelstand und Pilotkunden entscheidend sind

Ein weiterer Hebel liegt in der Zusammenarbeit mit kleinen und mittelständischen Unternehmen. Diese wurden in einer stark von Großindustrie geprägten Stadt nach Einschätzung von Markus Holle teilweise zu wenig beachtet. Für Startups können sie jedoch besonders wichtige Partner sein. Ein Pilotkunde bietet mehr als einen ersten Umsatz. Er kann Feedback, Anwendungswissen, Testdaten und einen realen Zugang zum Markt liefern. Für ein junges Team entsteht dadurch eine bessere Grundlage, bevor weitere Mitarbeitende eingestellt oder größere Investitionen getätigt werden. Für die Unternehmen ist eine solche Zusammenarbeit zunächst mit Aufwand verbunden. Sie müssen Zeit oder personelle Ressourcen investieren, ohne dass der spätere Nutzen bereits garantiert ist. Mittel- bis langfristig können die Lösungen der Startups aber neue Impulse und Innovationen in das Unternehmen bringen. Die Aufgabe des regionalen Ökosystems besteht deshalb nicht nur darin, Kontakte herzustellen. Es muss beiden Seiten verständlich machen, welchen konkreten Nutzen eine Zusammenarbeit haben kann.

 

Fünf Fragen für Startup-Ökosysteme

Ob eine Region ihre Wachstumslücke wirklich schließt, lässt sich mit fünf Kontrollfragen prüfen:

  1. Finden Startups nach der frühen Gründungsphase eine klar zuständige Anlaufstelle?

  2. Erhalten sie Zugang zu Pilotkunden, Finanzierung und erfahrenen Sparringspartnern?

  3. Werden vorhandene Angebote verständlich gebündelt und ausreichend bekannt gemacht?

  4. Entstehen aus Programmen tatsächlich Unternehmen, Markteintritte und Wachstum?

  5. Bleiben erfolgreiche Teams langfristig mit der Region verbunden?

Markus Holle nennt unter anderem die Gründung als GmbH als mögliche Kennzahl. Gleichzeitig warnt er davor, Entwicklungen vorschnell einer einzelnen Maßnahme zuzuschreiben. Wirtschaftliche und geopolitische Veränderungen können Ergebnisse ebenfalls beeinflussen. Ein weiterer Hinweis auf Fortschritt wäre für ihn, wenn Schweinfurt in anderen Regionen häufiger als relevanter Startup-Standort genannt wird.

 

Die vollständige Podcastfolge

In Folge #110 des Startbahn27 Podcasts sprechen Nico Hildmann und Markus Holle ausführlich über die Wachstumslücke, die Machbarkeitsstudie, den geplanten Netzwerkmanager und die Erwartungen an die Founder Barracks. Wenn Du gründest, mit Startups zusammenarbeitest oder regionale Unterstützungsangebote mitgestaltest, liefert Dir die Folge einen konkreten Einblick in die nächsten Schritte in Schweinfurt – und in eine Herausforderung, die weit über die Region hinaus relevant ist.

 

Jetzt die vollständige Folge anhören: Link zur Folge

 

 

Die fünfte Staffel des Startbahn27 Podcasts wird vom mainfränkischen Cluster MIND präsentiert. MIND bringt Macher:innen aus Maschinenbau, IT und Digitalisierung zusammen, um voneinander zu lernen, Ideen zu teilen und gemeinsam in Mainfranken zu wachsen. Vielen Dank an die Region Mainfranken GmbH für die Unterstützung.