Luis Zehnter im Gespräch mit Nico Hildmann im Startbahn27 Podcaststudio

Luis Zehnter im Startbahn27 Podcast: Wie du dir deine eigene Bühne baust

Wie du dir eine eigene Bühne baust, statt auf Chancen zu warten

Wer beruflich sichtbar werden möchte, wartet häufig auf die eine Gelegenheit: eine Einladung, den passenden Kontakt oder jemanden, der das eigene Potenzial erkennt. Doch diese Gelegenheit kommt nicht automatisch. Eine eigene Bühne zu bauen bedeutet deshalb, selbst ein Format zu schaffen, Verantwortung zu übernehmen und anderen einen konkreten Grund zu geben, mit einem ins Gespräch zu kommen. Luis Zehnter hat genau das getan. Mit 23 Jahren hat er parallel zu seinem Studium den Football Finance Podcast aufgebaut und eine eigene WM-Show in Würzburg organisiert. Dabei zeigt sein Weg nicht nur, was am Ende möglich ist. Er macht auch deutlich, wie viel Arbeit, Unsicherheit und Ausdauer vor dem sichtbaren Erfolg stehen.

 

Eine eigene Bühne beginnt mit dem ersten Versuch

Luis’ Weg in die Medien entstand nicht aus einem fertigen Karriereplan. Während der Corona-Pandemie begann er gemeinsam mit einem Freund, Fußballvideos und Challenges für YouTube und Twitch zu produzieren. Dabei merkte er, dass ihm die Arbeit vor der Kamera und am Schnitt zunehmend mehr Freude bereitete als der leistungsorientierte Fußball. Eine frühe Möglichkeit ergab sich über TV Mainfranken. Luis entwickelte die Idee für eine eigene Sendung, stellte sie dem damaligen Geschäftsführer vor und durfte sechs Folgen produzieren. Aus heutiger Sicht bewertet er seine damalige Moderation kritisch. Entscheidend war jedoch nicht, dass der erste Versuch bereits perfekt war. Entscheidend war, dass er überhaupt stattfand. Auch Praktika bei Sky Sport und Sport1 halfen ihm später, seinen beruflichen Weg zu schärfen. Dort bekam er Einblicke in die Branche, knüpfte erste Kontakte und erkannte, dass er langfristig als Moderator arbeiten möchte.

 

Ein eigenes Format schafft einen konkreten Anlass

Die Idee zum Football Finance Podcast entstand bei einem Frühstück mit seinem damaligen Podcastpartner in München. Der Podcast wurde anschließend zur Grundlage für viele weitere Möglichkeiten. Ein eigenes Format verändert die Art, wie man Menschen anspricht. Statt lediglich um ein unverbindliches Gespräch zu bitten, gibt es einen nachvollziehbaren Anlass: ein Interview, eine Folge, eine Veranstaltung oder ein gemeinsames Thema. Luis beschreibt seinen Podcast deshalb als eine Art Eintrittskarte in ein Netzwerk. Das Learning lässt sich weit über Podcasts hinaus übertragen. Auch ein Newsletter, eine Veranstaltungsreihe, eine Community oder ein regelmäßiges Fachformat kann diese Funktion übernehmen. Wichtig ist, dass das Format für ein klares Thema steht und der angesprochenen Person einen erkennbaren Mehrwert bietet. Die entscheidende Kontrollfrage lautet: Was kann ich selbst schaffen, das mir einen glaubwürdigen Grund für die Kontaktaufnahme gibt?

 

Kontakte öffnen Türen – Qualität entscheidet, was daraus wird

Einige der ersten Gäste kamen über Kontakte seines Vaters, der als Zauberkünstler und Entertainer bereits Menschen aus der Fußballbranche kannte. Weitere Begegnungen entstanden während der Praktika. Luis macht daraus jedoch keine Geschichte vom rein selbst erarbeiteten Erfolg. „Glück gehört einfach auch dazu“, sagt er im Gespräch. Dieses Glück musste anschließend genutzt werden. Luis reiste zu seinen Gästen, brachte die komplette Technik mit und kümmerte sich selbst um Kamera, Ton, Schnitt und Social-Media-Clips. Besonders wichtig war ihm eine gründliche inhaltliche Vorbereitung. Diese Professionalität sorgte dafür, dass Gäste ihn weiterempfahlen. Mit zunehmender Reichweite wurden auch direkte Anfragen bei Managements einfacher. Luis konnte nun auf veröffentlichte Gespräche, bekannte Gäste und konkrete Abrufzahlen verweisen. Nach seinen Angaben lag der Podcast zunächst bei durchschnittlich etwa 500 bis 800 Hörerinnen und Hörern. Zwei Folgen mit Matthias Sammer und Florian Plettenberg erreichten später rund 80.000 beziehungsweise 70.000 Aufrufe. Zum Zeitpunkt der Aufnahme sprach Luis von rund 13.000 Hörerinnen und Hörern im Schnitt und etwa 6.000 Abonnenten auf YouTube. Die Zahlen zeigen einen wichtigen Zusammenhang: Das Netzwerk half beim Zugang. Das wachsende Produkt machte den nächsten Zugang leichter.

 

Hinter 600 Gästen standen zwei Monate mit fünf Tickets

Die größte eigene Bühne baute sich Luis mit einer WM-Show in Würzburg. Gemeinsam mit seinem Vater organisierte er die Veranstaltung weitgehend als Zwei-Personen-Team. Auf der Bühne saßen unter anderem Oliver Kahn, Pierre Littbarski und Felix Brych. Am Ende kamen 600 Gäste. Doch lange sah es nicht nach diesem Erfolg aus. Im Januar und Februar wurden zusammen lediglich fünf Tickets verkauft. Luis beschreibt im Podcast die Sorge, dass am Ende vielleicht nur 80 Menschen in einer großen Halle sitzen könnten. Teilweise öffnete er die Ticket-App 20-mal am Tag, um zu prüfen, ob ein weiterer Platz verkauft worden war. Das Team probierte unterschiedliche Marketingmaßnahmen aus, verteilte Flyer, bewarb die Show bei Fußballspielen und schrieb nach Luis’ Angaben rund 300 Vereine in Unterfranken an. Als kurzfristig bekannt wurde, dass die deutsche Nationalmannschaft am Abend der Veranstaltung spielen würde, mussten 2.000 bereits gedruckte Flyer mit einer neuen Startzeit überklebt werden. Diese Geschichte zeigt, wie wenig ein später sichtbarer Erfolg über die Monate davor verrät. Die eigene Bühne zu bauen heißt nicht nur, eine gute Idee zu haben. Es bedeutet auch, auf unerwartete Probleme zu reagieren und weiterzuarbeiten, obwohl der Ausgang ungewiss bleibt.

 

Was passiert, wenn das große Ziel erreicht ist?

Nach Bachelorabschluss und WM-Show waren mehrere große Kapitel gleichzeitig beendet. Statt eines reinen Freiheitsgefühls entstand für Luis zunächst eine Phase der Orientierung. Wer stark zielorientiert arbeitet, kann nach einem großen Projekt den gewohnten Anker verlieren. Der Football Finance Podcast gab Luis wieder Struktur. Gleichzeitig musste er neu bewerten, welcher nächste Schritt sinnvoll ist: ein Masterstudium, der Einstieg in eine Redaktion oder der weitere Weg über selbst entwickelte Formate. Dabei hilft ihm ein Satz seines Vaters: „Das Gras wächst nicht schneller, wenn du daran ziehst.“ Die Aussage beschreibt die Balance, die für viele Gründende und Selbstständige schwierig ist: Chancen entstehen nicht ohne Aktivität. Manche Entwicklungen lassen sich trotzdem nicht erzwingen.

 

Fünf Learnings für deine eigene Bühne

  1. Beginne mit einem konkreten Format.
    Schaffe einen nachvollziehbaren Anlass, über den Menschen mit dir in Kontakt treten können.

  2. Nutze vorhandene Kontakte offen, aber verlasse dich nicht auf sie.
    Eine Empfehlung öffnet eine Tür. Vorbereitung und Qualität entscheiden, ob weitere Türen folgen.

  3. Mache Professionalität früh sichtbar.
    Inhalt, Technik, Kommunikation und Verlässlichkeit prägen, ob Menschen dein Format weiterempfehlen.

  4. Rechne mit einer längeren Durststrecke.
    Fünf verkaufte Tickets in zwei Monaten müssen nicht bedeuten, dass am Ende nur fünf Menschen kommen.

  5. Plane auch die Phase nach dem großen Ziel.
    Ein Folgeprojekt, eine Pause oder eine bewusste Orientierungsphase können verhindern, dass nach dem Erfolg die Struktur vollständig wegbricht.

 

Die vollständige Podcastfolge

In der Special-Folge des Startbahn27 Podcasts spricht Luis Zehnter ausführlich über seinen Weg vom Fußballplatz in die Medien, den Aufbau des Football Finance Podcasts und die Organisation seiner WM-Show. Das Gespräch zeigt nicht nur die sichtbaren Meilensteine, sondern auch Zweifel, glückliche Zufälle und den Aufwand hinter der eigenen Bühne.

 

 

Hört hier direkt ein: